Choreographie zu Inklusion vom MSV Duisburg. Oben: Banner unterschiedlicher Menschen: dunkelhäutige, blind Frau mit dunkler Brille, Rollstuhlfahrer, Frau mit Kopftuch, gleichgeschlechtliches Paar. Davor blau weiße Schilder. Unten: Banner mit der Aufschrift: Come as you are
Foto: MSV Duisburg/Daniel Matic

WAS IST INKLUSION?

Zeichen für Gebärdensprache. grauer Hintergrund, links zwei weiße Hände in Gebärdensprache, rechts in Großbuchstaben DGS             Zeichen für Leichte Sprache. Blauer Hintergrund. Vorne eine gemalte weiße Person mit einem Buch und Daumen hoch. Rechts daneben steht: Leichte Sprache

Inklusion hat Konjunktur. Nicht wenige bezeichnen den Begriff sogar als Modewort. Tatsächlich ist Inklusion im deutschsprachigen Raum innerhalb der letzten zehn Jahre insbesondere mit der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung bekannt geworden. Zuvor war sie als politische Formel im Bildungsbereich für die gemeinsame Beschulung von behinderten und nichtbehinderten Kindern etabliert. Seither wird Inklusion hierzulande im allgemeinen Sprachgebrauch vor allem als Frage der Behindertenhilfe diskutiert und größtenteils mit Herausforderungen statt Chancen assoziiert.

Tatsächlich beinhaltet Inklusion aber mehr als das: Inklusion ist eine Leitidee für ein Konzept menschlichen Zusammenlebens, wo jede*r ganz selbstverständlich dazugehört. In einer inklusiven Gesellschaft werden die unterschiedlichen Begabungen der Menschen, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, Religion oder Behinderung, als Stärke gesehen. Das Deutsche Institut für Menschenrechte definiert Inklusion sogar als „Menschenrecht“ und „wichtiges Prinzip, ohne dessen Anwendung die Durchsetzung der Menschenrechte unvollständig bleibt“.

Inklusion fordert – anders als Integration – nicht in erster Linie die Anpassung der Menschen, die „anders“ sind, sondern vor allem die Anpassung der sozialen Umwelt an die Menschen.

Für die Gesellschaft und ihre Institutionen heißt das, dass sie die tatsächlichen Voraussetzungen dafür schaffen müssen, dass alle gleichen Zugang zu allen Lebensbereichen haben. Entsprechend gilt es, soziale, räumliche oder andere Barrieren abzubauen, die zu Ausgrenzung führen (können). Barrierefreiheit ist deshalb ein zentrales Element von Inklusion, aber nicht mit Inklusion gleichzusetzen.

Choreographie Fans Leverkusen zum ThemaInklusion
Foto: Bayer 04 Leverkusen

Was heißt das jetzt für den Fußball?

Fußballfans finden sich in allen sozialen Schichten, unter Menschen unterschiedlichster Fähigkeiten, Geschlechter, sexueller Orientierung, Religionen und Herkunft. Aktuelle Studien schätzen die Anzahl der Fußballanhänger*innen in der Bundesrepublik Deutschland auf über 24 Millionen. Jedoch gibt es in Fußballstadien und Vereinen nach wie vor zahlreiche Barrieren, die es für viele dieser Fans schwierig bis unmöglich machen, vollwertiger Teil der Fanszene oder des Vereinslebens sein zu können.

Dazu gehören z.B.

  • isolierte Bereiche für Fans mit Behinderung im Stadion, die es bspw Fans im Rollstuhl erschweren, ein Spiel gemeinsam mit ihrer Familie oder ihrem Fanclub zu verfolgen;
  • Vereinswebseiten, Fanblogs oder -Videokanäle, die für gehörlose, seh- oder lernbehinderte oder auch ältere Fans nicht zugänglich sind;
  • Ticketpreise oder –Verfügbarkeiten, die sozial benachteiligten Fans und/oder Familien und Kindern und Jugendlichen den Stadionbesuch erschweren;
  • Jahreshauptversammlungen, Auswärtsfahrten, Feiern oder sonstigen Angeboten von Fandachverbänden oder Vereinen, die nicht barrierefrei sind
  • sexualisierte Übergriffe oder Diskriminierung im Stadion;
  • mangelnde Kenntnisse bei Ordnerdiensten oder Polizei zum Umgang mit besonderen Zielgruppen;
  • nicht-barrierefreie Vereinsgeschäftsstellen;
  • ein Mangel an Präventionsprogrammen zu psychischen Erkrankungen für Spieler*innen oder Angestellte;
  • mangelnde Vielfalt in der Zusammensetzung von Abteilungen oder Gremien.

 

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Inklusion im Fußball bedeutet: Die Beseitigung all dieser Ausgrenzungsmechanismen und Schaffung und Optimierung von Teilhabemöglichkeiten für alle Menschen, im Stadion wie im Vereinsleben.

Vieles wird aber auch schon getan – zahlreiche Vereine und Fangruppen haben bereits begonnen, sich verstärkt für Inklusion zu engagieren. KickIn! bündelt ihre Erfahrungen, stellt Leuchtturmprojekte vor und unterstützt alle interessierten Akteur*innen dabei, ihr Wissen zu verbreiten und zu erweitern.

Damit Fußball zum Tor für Vielfalt wird. Ohne Barrieren. Für alle.

Choreographie St. Pauli. Unten Banner in Regenbogenfarben mit Aufdruck "all colours are beautiful". Darüber schwingen Fans bunte Fahnen.
Foto: Stefan Groenveld

Nach oben
Skip to content