Die neue Doppelspitze vom SV Babelsberg 03: Links Björn Laars und rechts Katharina Dahme. Im Hintergrund das Karl-Liebknecht-Stadion.

Bild: Babelsberg 03

Guter Saisonstart: Für mehr Frauen im Fußball

Im Mai 2021 haben neun Frauen aus dem Fußball unter dem Titel „Fußball kann mehr“ acht Forderungen veröffentlicht. Diese Forderungen sollen für mehr Inklusion hinsichtlich Geschlechtergerechtigkeit im deutschen Profifußball sorgen. Denn noch immer sind mehr als 90 Prozent der Entscheidungspositionen in deutschen Verbänden und Clubs mit Männern besetzt.  

Länder wie die Niederlande, Irland, Norwegen, Dänemark, Schweden, Finnland, Island, Neuseeland, Australien und sogar die FIFA haben im Fußballverband längst verbindliche Vielfaltsziele in diesem Bereich oder Frauenquoten von bis zu 40 Prozent festgelegt. Der Weg hin zu Geschlechtergerechtigkeit im Fußball in Deutschland ist hingegen noch länger. Langsam aber sicher kommen die Dinge jedoch auch hier in Bewegung. 

Geschäftsführung der DFL erstmals weiblich 

In der Deutschen Fußball-Liga, in der die 36 Bundesliga-Clubs organisiert sind, übernimmt mit Donata Hopfen im Jahr 2022 erstmals eine Frau die Geschäftsführung in der Geschichte des Ligaverbands. Diese bemerkenswerte Entscheidung zur Nachfolge von Amtsinhaber Christian Seifert wurde zugleich von einem rein männlich besetzten Aufsichtsrat der DFL getroffen. Mit Selbstverpflichtungen, bei künftigen Entscheidungen den Anteil von Frauen innerhalb der DFL zu erhöhen, hatte diese Personalentscheidung aber wohl wenig zu tun. Diese sind beispielsweise in der englischen Premier League üblich. 

Mitglieder stimmen für Frauenquote beim FC St. Pauli 

Den größten Schritt machte hierzulande bisher wohl der Zweitligist FC St. Pauli. Die Vereinsmitglieder stimmten auf der Mitgliederversammlung Anfang September 2021 mit überwältigender Mehrheit für die Einführung einer Frauenquote bei den KiezkickernZukünftig müssen mindestens 30 Prozent der Führungskräfte im Präsidium, Aufsichtsrat, Ehrenrat und im Wahlausschuss beim FC St. Pauli weiblich sein. Die Einführung einer Quote wurde nach einem einjährigen Beteiligungsprozess mit Mitgliedern als das wirksamste Mittel erarbeitet, um die Besetzung von Gremien schnell und nachhaltig zu verändern. Der FC St. Pauli ist damit der erste Verein der 1. und 2. Bundesliga, der eine verbindliche Frauenquote eingeführt hat. Abzuwarten bleibt, ob die Entscheidung der Mitglieder des FC St. Pauli auch zum Vorbild für andere Vereine werden kann.  

Doppelspitze beim SV Babelsberg 03 

Auch jenseits des Profifußballs ist die geschlechtergerechte Besetzung von Gremien und Entscheidungspositionen in Fußballvereinen Stoff für Diskussionen. Im Zuständigkeitsbereich des Deutschen Fußball-Bundes (DFB)agiert nun der SV Babelsberg 03 als Viertligist seit dem 20. Juli 2021 erstmals in der Vereinsgeschichte mit einer quotierten Doppelspitze. Katharina Dahme und Björn Laars leiten den Verein nun als Vorstandsvorsitzende. Beim SV Babelsberg 03 hat man sich bewusst für die Einführung einer Doppelspitze mit mindestens einer Frau entschieden. Könnte dieses Modell auch ein Vorbild bei der präsidialen Neubesetzung im DFB sein? 

Gescheiterte Kandidatur in Berlin 

Allerdings sind solche Erfolge für mehr Geschlechtergerechtigkeit gerade in den Strukturen des Fußballs längst noch nicht selbstverständlich. Gerade in der sonst für ihr Engagement für Vielfalt bekannten Hauptstadt stand beim Berliner Fußball-Verband (BFV) am 28. August 2021 nämlich auch eine Frau zur Wahl. Die ehemalige Fernsehmoderatorin Gaby Papenburg trat als Gegenkandidatin zum amtierenden Landespräsidenten Bernd Schultz an – und verlor. Auch wenn die Mehrheit der BFV-Mitglieder letztlich für Schultz stimmten – es gab immerhin einmal die Möglichkeit für eine Gegenkandidatin auf dieser Ebene des Fußballs zu stimmen, die damit auch das DFB-Präsidium diverser gemacht hätte. Mögen viele weitere mutige Frauen folgen! 

Vielfältige Möglichkeiten – Auf den Weg machen! 

Die aufgezeigten Beispiele zeigen, dass Einige im Fußball das Problem nicht nur erkannt haben. Vielmehr haben sich erste Clubs und Verbände bereits auf den Weg gemacht, die “gläserne Decke” zu durchbrechen und für mehr Inklusion von Frauen im Fußball zu sorgen. Sie beseitigen Zugangsbarrieren und passen ihre Vorgehensweisen an. Der Weg hin zu echter Geschlechtergerechtigkeit im Fußball insgesamt bleibt zwar noch lang. Denn es wird nötig sein, dass es nicht bei den “üblichen Verdächtigen” bleibt. Viele weitere Impulse aus den Vereinen und Druck aus Initiativen wie Equaletics e.V. und F_in werden notwendig sein. Denn während der deutsche Fußball in manchen Bereichen eine gesellschaftliche Vorreiter*innenrolle einnimmt, gibt es beim Thema Geschlechtergerechtigkeit noch viele ungenutzte Potenziale und Chancen. Ungenutzt vor allem weil die Frauen auch längst da sind. Es wird Zeit, sie auch in allen Entscheidungsstrukturen des Fußballs gleichberechtigt mitmischen zu lassen. 

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