"Hope Ahead"-Schriftzug in einem Logo, das aus einem Kreis und einer Raute besteht.

„Aus dem Stigma der Schwäche ein Bündnis formen“

Die Aufmerksamkeit, die das Thema Depressionen erfährt, ist in den vergangenen Jahren gestiegen. So zum Beispiel anlässlich des Suizids des ehemaligen Nationaltorhüters Robert Enke. Außerhalb solcher Jahrestage ist die Wahrnehmbarkeit und Akzeptanz sowie die Anerkennung von Depression als schwerwiegende Krankheit gesamtgesellschaftlich leider immer noch nicht sehr weit vorangekommen. Gerade im leistungsorientierten Profifußball bleibt das Thema meist im Verborgenen. Darunter leiden vor allem die Betroffenen. In den Fankurven, in denen die Demonstration von Stärke bis heute vielerorts zum Alltag gehört, ist die Auseinandersetzung mit Depression ebenfalls noch oft ein Tabu.

Doch es tut sich was im Fußball und auch in den Fanszenen. Bereits 2014 gegründeten FC St. Pauli-Fans aufgrund des depressionsbedingten eines Fanszene-Mitglieds die Faninitiative St. Depri. Mit vielfältigen Aktivitäten zeigt die Initiative seitdem, dass Hilfsangebote für Menschen, die an Depression erkrankt sind, vor allem vor Ort sehr zur Enttabuisierung und Unterstützung beigetragen können.

Neuer Zusammenschluss von Werder Bremen-Fans

Beim SV Werder Bremen haben sich im Herbst 2021 erstmals Menschen aus der organisierten Fanszene zusammengefunden, die Depressionen und psychische Erkrankungen sichtbarer machen und einen Raum zum Austausch schaffen wollen. Die beteiligten Werder-Fans waren oder sind in verschiedenen Formen von Depressionen betroffen. Aus diesem Zusammenschluss ging nun die Initiative Hope Ahead hervor.

Die von Fans getragene Initiative möchte ein größeres Bewusstsein für Depressionen und psychische Erkrankungen im Werder-Umfeld schaffen. „Unser Anspruch als Initiative ist es, das Themenfeld Depressionen und Psyche zu enttabuisieren, mit Vorurteilen und falsch vermittelten Vorstellungen aufzuräumen. Wir wollen aus dem Stigma der Schwäche ein Bündnis formen, aus dem wir alle stärker hervorgehen. Zwar können und wollen wir keine medizinische oder therapeutische Arbeit leisten – dies liegt allein in der Hand von Expert*innen – aus einem solidarischen Anspruch heraus, wollen wir jedoch als Ansprechpartner*innen fungieren und Betroffenen sowie Angehörigen nach eigenen Möglichkeiten mit einem niedrigschwelligen Hilfsangebot zur Seite stehen“, beschreibt Hope Ahead das eigene Selbstverständnis.

In der Regel bleiben Depressionen ein täglich wiederkehrender innerer Kampf mit dem eigenen Selbst. Die Depression ist nicht einfach da, sie entwickelt sich und bleibt von den Betroffenen zunächst häufig unbemerkt. „Treffen kann es jede*n. Dennoch werden Depressionen häufig unterschätzt, das Leid der Betroffenen nicht ernst genommen, Symptome nicht erkannt oder Hilfsangebote nur schwer und nach langwieriger Wartezeit zugänglich gemacht. Dabei ist die Depression eine ernstzunehmende Erkrankung, die etwa jede fünfte Person in Deutschland betrifft“, zeigt Hope Ahead die Bedeutung des Themas auf. Kritik äußert die Initiative zudem an der aktuellen Unterversorgung von Therapieplätzen in Deutschland.

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