EINMAL STADION UND ZURÜCK

Inklusion braucht oft keine großen finanziellen Mittel, sondern nur eine einfache Idee: Ein Beispiel dafür ist der Fahrdienst für Rollstuhlnutzer*innen des Fanclubs „Wengert FC“ der Würzburger Kickers.

Die Idee dafür geht auf eine ziemlich alltägliche Begebenheit zurück. Ursprünglich meldete sich Fanclubmitglied Bruno Franken auf einen Aufruf der Kickers. Der Verein suchte freiwilliger Helfer für seine Spieltagsorganisation. Franken meldete sich für die Betreuung der Rollstuhlnutzer*innen.

In seiner Anfangszeit als Freiwilliger habe er dem Sicherheitspersonal am Haupteingang gesagt, dass sie ihn anrufen sollen, wenn dort Rollstuhlnutzer*innen auftauchen. Er würde diesen dann bei Bedarf zum entsprechenden Eingang hoch helfen. Denn das Stadion des Drittligisten auf dem Würzburger Dallenberg ist auch durch die steilen Anfahrtswege geprägt. „Ich bin dann einige Male runtergegangen und habe sie abgeholt. Dabei habe ich gemerkt wie schwierig es ist, jemanden den Mittleren Dallenbergweg bis zum entsprechenden Eingang hochzuschieben“, erzählt Franken. Das sei wirklich sehr anstrengend gewesen, habe aber die Idee in ihm reifen lassen, dass etwas geändert werden muss. Nebenbei machte er noch eine andere Beobachtung: „Beim Einsatz am Rollstuhlfahrer-Eingang habe ich gesehen, dass die VIPs aus allen Teilen der Stadt zu ihrem Eingang gefahren werden“, erklärt er.

Diese Überlegungen führten zunächst zur Gründung ihres Fanclubs und schließlich zur Anschaffung des Shuttlebusses, mit dem mittlerweile pro Spiel zwischen zwei und fünf Personen aus dem Würzbürger Stadtgebiet abgeholt und zum Eingang oberhalb der Haupttribüne des Stadions gefahren werden.  „Für uns sind die Rollstuhlfahrer und Rollstuhlfahrerinnen die VIPs. Wir haben mit unserem Shuttlebus dafür gesorgt, dass sie ohne Probleme ins Stadion kommen“, sagt Franken. Spontan wurden sogar schon Senior*innen mitgenommen und bis zum Eingang am Dallenberg gefahren. Auch wenn es mittlerweile mit angeboten wird, werde dieses Angebot noch nicht so stark angenommen, sagt Franken. Wahrscheinlich sei es einfach nicht bekannt genug.

Was in Würzburg mit einfachen Mitteln und ehrenamtlich von Fans gestemmt wird, zieht Eintracht Frankfurt seit Februar 2019 im großen Stil auf: Seit dem Heimspiel gegen Mönchengladbach bietet der Bundesligist einen Fahrservice für Eintracht-Fans mit Mobilitätseinschränkungen an. In Zusammenarbeit mit einem Sponsor soll das Angebot jenen Fans einen barrierefreien Stadionbesuch ermöglichen, deren Besuch der Eintracht-Spiele ansonsten durch verschiedene Barrieren gehindert wird. Erspart bleiben sollen ihnen so beispielsweise eine aufwendige Parkplatzsuche und weite Wege bis zum Stadion. „Alles, was mobilitätseingeschränkten Fans bisher Schwierigkeiten machte, sollte damit der Vergangenheit angehören“, wirbt der Verein. Koordiniert wird das Angebot durch die Behindertenfanbetreuung von Eintracht Frankfurt.

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