Blick auf Sitzreihen und auf Plätze für Menschen im Rollstuhl.
Foto: Olympiastadion Berlin GmbH

Am Ziel, aber noch nicht am Ende: Abschluss eines dreijährigen Beteiligungsprozesses zwischen KickIn! und dem Olympiastadion Berlin

Neue Vorzugssitzplätze, modernisierte Toiletten, Rollstuhlplätze mit bestem Blick auf das Spielgeschehen – im Olympiastadion Berlin hat sich in den vergangenen drei Jahren viel verändert, möglich gemacht durch einen ehrlichen Dialog. Zum Abschluss blicken alle Beteiligten positiv auf die gemeinsame Arbeit.

Der Blick in das Olympiastadion Berlin begeistert jedes Mal aufs Neue. Durch das Osttor mit den berühmten Olympischen Ringen, geradeaus in die Ostkurve, in der sonst die Fans von Hertha BSC ihre Mannschaft nach vorne peitschen. Am 30.04. blieb die Ostkurve nahezu leer, eine Begeisterung war vor Ort dennoch zu spüren.

In den vergangenen drei Jahren wurden im Olympiastadion Berlin in Vorbereitung auf die UEFA EURO 2024 vielfältigste Maßnahmen umgesetzt, um den sechs Spielen inkl. dem Finale am 14. Juli 2024 einen erstklassigen Rahmen zu bieten. Ein besonderer Fokus galt dabei der Inklusion und dem Abbau von Barrieren. Damit die Umsetzung bei jenen ankommt, die von diesen Maßnahmen profitieren sollen, wurde die Olympiastadion Berlin GmbH mit Beginn der Planungen im Sommer 2021 durch KickIn! als Beratungsstelle für Inklusion im Fußball mit einer Fachberatung zu den einzelnen Maßnahmen, der Organisation und Moderation eines Beteiligungsprozesses sowie mit Schulungen und Sensibilisierung der Mitarbeitenden unterstützt.

Gemeinsam mit allen Beteiligten ging es am 30.04. auf eine etwa zweistündige Ortsbegehung quer durch das Olympiastadion Berlin, bei welcher die Früchte dieser Kooperation genauestens unter die Lupe genommen wurden. Von den modernisierten und teils neu geschaffenen Plätzen für Personen im Rollstuhl ging es zu den erstmals im Olympiastadion Berlin verfügbaren Vorzugssitzplätze bzw. „Easy Access Seats“. Insgesamt 348 Vorzugssitzplätze (259 im Unterrang, 89 im Oberrang) bieten hier Personen mit permanenten und vorübergehenden Mobilitätseinschränkungen, wie z.B. Schwangeren oder ältere Zuschauerinnen und Zuschauern eine Möglichkeit, einen barrierefreieren Stadionbesuch zu erleben. Durch die Verteilung der Vorzugssitzplätze auf alle Sitzplatzkategorien behält der Gast seine Wahlmöglichkeit hinsichtlich der Ticketkosten und Perspektive. Die Vorzugssitzplätze befinden sich unmittelbar an den jeweiligen Blockzugängen: Treppengänge werden erspart und die Distanz zu Versorgungseinrichtungen sowie zu den Toiletten minimiert.

Bei den Toiletten profitieren nicht nur Personen mit Behinderungen, sondern ausnahmslos alle von den Modernisierungen. Sämtliche Toilettenanlagen im Unterring des Stadions wurden umgestaltet und in vier Bauphasen umgebaut. Allen Besucherinnen und Besuchern des Stadions steht nun eine um insgesamt 31% erhöhte Kapazität an Toiletten zur Verfügung. Neben der bloßen Kapazitätserhöhung stand auch die Verbesserung des Komforts im Vordergrund. Extra große Toilettenkabinen erlauben es beispielsweise Eltern, ihre Kinder beim Besuch der Toilette zu begleiten.

In unmittelbarer Nähe zu den Rollstuhlplätzen in der Ostkurve und in den Blöcken am Marathontor befinden sich nun insgesamt 14 barrierefreie Toiletten. Ausgestattet mit einer automatischen Türöffnung und ausreichend Fläche für Wendemanöver können Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer die Toiletten selbständig nutzen. Zudem stehen im Olympiastadion neben reinen Männer- und Frauentoiletten ab sofort auch genderneutrale Toilettenbereiche für alle Geschlechter zur Verfügung.

Abschlussworkshop im VIP-Bereich des Stadions

Im Nachgang zur Stadionbegehung wurde bei einem siebten und letzten Workshop zur „Barrierefreiheit im Olympiastadion Berlin“ gemeinsam über das Geschaffene resümiert. Alle Beteiligten sind sich sicher: das, was hier gemeinsam erdacht, geplant und umgesetzt werden konnte, ist einzigartig und bietet einer Vielzahl an Mitgliedern unserer Gesellschaft die Möglichkeit, aktiv am Stadiongeschehen teilzuhaben. Gleichzeitig ist es allen vor Ort wichtig zu betonen, dass dieser Prozess nun am Ziel, die grundlegende Idee dahinter allerdings noch lange nicht am Ende angekommen ist. So, wie sich eine Gesellschaft wandelt, müssen sich Veranstaltungsstätten diesem Wandel annehmen und Gegebenheiten schaffen, die der Realität entsprechen und alle Mitglieder der Gesellschaft willkommen heißen.

Daniela Wurbs, Projektleiterin bei KickIn!, zieht folgendes Fazit: „Das Olympiastadion Berlin hat in Sachen inklusiver Stadiongestaltung und Beteiligung über die letzten Jahre gezeigt, was möglich ist, um für verschiedenste Menschen deutlich bessere Zugänge zu schaffen. Und das in einem historischen Bestandsstadion! Das war alles andere als selbstverständlich und erforderte an einigen Stellen auch Mut zu neuen Wegen. Der Weg ist noch nicht vorbei! Wir hoffen in jedem Fall, es finden sich viele Nachahmende!“

Timo Rohwedder, Geschäftsführer der Olympiastadion Berlin GmbH: „Unser Anspruch in Sachen Barrierefreiheit war es, nicht nur Zahlen zu erfüllen, die in einem Dokument niedergeschrieben wurden, sondern den tatsächlichen Anforderungen gerecht zu werden für jene, denen diese Umbauten jetzt und in Zukunft zugutekommen. Ohne die Expertise von KickIn! und dem offenen Dialog im Rahmen des Beteiligungsprozesses wäre die Verwirklichung in dieser Form schwer möglich gewesen.“

Umgesetzte Maßnahmen im Detail

Toiletten

  • Erhöhung der Zahl der barrierefreien Toiletten um 250%
  • Erhöhung der Anzahl der Toiletten im Unterrang um 69%
    • Davon 10% vergrößerte Standard-Kabinen mit Haltegriffen und Türöffnung nach außen
  • Erhöhung der Anzahl der Toiletten insgesamt um 32%
  • Einrichtung zweier „Toiletten für Alle“ mit Hebeanlage für Personen mit komplexer Behinderung
  • Einrichtung von 24 genderneutralen Toiletten an drei Standorten

Plätze für Personen im Rollstuhl: Höhere Kapazität und bessere Sichtverhältnisse für alle

  • 86 Rollstuhlplätze links und rechts vom Marathontor (Blöcke G/H, J/K)
  • 10 Rollstuhlplätze bei Block N
  • 128 Rollstuhlplätze in der Ostkurve (Blöcke Q-T)
  • 4 Rollstuhlplätze auf der Ehrentribüne
  • 264 Plätze für Begleitpersonen
  • Vorher: 168 Plätze
  • Jetzt: 228 Plätze
  • Insgesamt 36% mehr Kapazität

Vorzugssitzplätze: Sitzplätze für Personen mit permanenten oder vorübergehenden (Mobilitäts)-Einschränkungen, wie z.B. Schwangere, ältere Menschen, Menschen mit gebrochenem Bein, etc.

  • 89 Vorzugsplätze im Oberrang
  • 259 Vorzugsplätze im Unterrang
  • somit insgesamt 348 Vorzugsplätze bzw. mindestens 174 Vorzugsplätze, wenn jede/r eine Begleitperson mitbringt
  • Keine Sitzreihe unmittelbar davor, d.h. Beinfreiheit und Möglichkeiten zur Unterbringung von Gehhilfen, Assistenzhunden, etc.
  • Direkt am Blockzugang, um unnötige Treppengänge zu vermeiden

Einlassbereiche

  • 13 Drehkreuze mit größerer Durchgangsbreite
  • 9 rollstuhlgerechte Schleusen
  • verbesserte Beleuchtung
  • Dächer über den freistehenden Schleusen

Digital Signage

  • Einsatz digitaler Werbe- und Informationssysteme zur Verbesserung des Stadionerlebnisses
  • Schaffung von Mehrwerten auf verschiedenen Ebenen, z.B. Wegeleitung, Directional Signage, Werbung und Unterhaltung
  • Service- und Komforterhöhung z.B. in Bezug auf Catering und Veranstaltungsinformationen sowie visuelle Sicherheitshinweise (zum Beispiel mit starkem Kontrast für Sehgeschädigte).

Verbesserung der Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer und Kinder an den Gastronomiekiosken durch Absenkung von Ausgabefenstern

  • Alle Kioske im Unterring und Oberring haben je ein abgesenktes Tresenfenter

Statisches Leit- und Informationssystem (in Umsetzung)

  • Anforderungskatalog für notwendige Änderungen zur Verbesserung der „Customer Journey“ unter besonderer Würdigung von Barrierefreiheitsaspekten
  • Neue Piktogramme
  • Druck und Aushang neuer Lagepläne
  • Taktile Lagepläne an den Eingängen Osttor und Südtor
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