Menschen mit Rollstuhl in der Veltins Arena mit Blick auf das Spielfeld.
Bild: gettyimages/DFL – Lukas Schulze

Gemeinsam die Professionalisierung der Fanbetreuung für Menschen mit Behinderung vorangetrieben

Fünf Jahre KickIn! bedeutet für uns auch einen Rückblick auf die vergangenen Jahre begleitet von der Frage: erreichen wir eigentlich das, wofür wir angetreten sind? Die vor-Ort-Begleitung von Vereinen und Verbänden zu Inklusion und Vielfalt im Fußball hat sich dabei schon im ersten Jahr zum Kern der Arbeit von KickIn! entwickelt. In unserer Öffentlichkeitsarbeit findet dieser Bereich allerdings kaum statt. Denn es ist in aller Regel nicht Ziel dieser Aktivitäten, besonders öffentlichkeitswirksam zu sein. Vielmehr sollen in den Vereinen in vielen kleinen Schritten gemeinsam nachhaltige, echte strukturelle Veränderungsprozesse für mehr Diversität im Fußball erreicht werden. Zu unserem kleinen Jubiläum wollen wir euch jetzt aber einmal hinter die Kulissen dieses sonst eher unsichtbaren Wirkungsfelds blicken lassen.

Ziele und Erwartungen am Berger Feld

Vorrangiger Auftrag des über zwei Jahre andauernden Beratungsprozesses war die Professionalisierung der Fanbetreuung für Menschen mit Behinderung in und um den Verein. Darüber hinaus sollten erste Schritte zur Entwicklung einer Handlungsstrategie zu Inklusion im Gesamtverein gemacht werden.

Ziele der Zusammenarbeit mit KickIn! waren u.a. der Ausbau der vorhandenen Services, der Sichtbarkeit und der Aufbau eines intensiveren Kontakts zur Zielgruppe. Weiterhin sollte die Fanbetreuung für Menschen mit Behinderung am Spieltag mit allen relevanten Arbeitsbereichen auf Schalke stärker verzahnt und ein besseres Verständnis für die Belange von Menschen mit Behinderung im Stadion geschaffen werden.

Was wurde auf Schalke konkret umgesetzt?

Zunächst fand in einem intensiven Austausch mit verschiedenen Fans, Gremienvertreter*innen, den ehemaligen Ehrenamtler*innen und zwei neu ernannten hauptamtlichen Beauftragten für Fans mit Behinderung eine Bestandsaufnahme statt. Im Anschluss wurden erste Maßnahmen erarbeitet.

Strukturveränderungen im Verein

So wurden die zwei neuen Beauftragten für Menschen mit Behinderung durch die KickIn!-Fachberatung zum Themenfeld und Coaching kontinuierlich in ihrer Einarbeitungszeit begleitet. Insbesondere Fanbeauftragter Sven Graner konnte nachhaltig als Ansprechpartner im Verein etabliert werden, der von anderen Abteilungen seither als Experte für die Belange von Menschen mit Behinderung konsultiert werden kann. Zudem nahmen die Fanbeauftragten für Fans mit Behinderung fortan an Sicherheitsbesprechungen am Spieltag teil und vernetzten sich bundesweit sowie international.

Die Eingliederung, Neuausrichtung und Sensibilisierung der Volunteer-Teams für Barrierefreiheit hatten wiederum zur Folge, dass sich seither deutlich mehr Menschen an Spieltagen in diesem Aktivitätsbereich ehrenamtlich engagieren.

Fans & Verein gemeinsam für mehr Barrierefreiheit

Einer der wichtigsten Meilensteine der Prozessbegleitung durch KickIn! aber war die Gründung und Etablierung der AG „Schalke Für Alle“ Ende 2018. Dort arbeiten bis heute Fans mit und ohne Behinderung gemeinsam mit Vertreter*innen des Vereins und verschiedener Fanorganisationen an der Verbesserung der Barrierefreiheit des Stadionerlebnisses.

Mit fachlicher Unterstützung durch KickIn! und unter aktiver Mitwirkung der AG wurden Aktivitäten und Services für Menschen mit Behinderung entsprechend ausgebaut – hier einige Beispiele:

  • mit der „Kumpelkarre“ wurde ein Shuttle-Service für mobilitätseingeschränkte Fans am Spieltag eingerichtet, der heute die Wege um das Stadion für ältere Menschen, Schwangere oder auch Menschen auf Krücken deutlich erleichtert
  • der Knappenkommentar, eine spielbeschreibende Reportage für sehbehinderte Fans ist heute als Fanradio für alle im ganzen Stadion über die Schalke-App empfangbar und wird pro Spiel im Schnitt von über 3.500 Fans gehört
  • der Ticketvorverkaufsservices für Fans mit Behinderung wurde verbessert.
  • an Spieltagen wird nun unter anderem das Halbzeitprogramm auf der Stadion-Leinwand in Deutsche Gebärdensprache (DGS) verdolmetscht
  • das Informations-Angebot in Leichter Sprache wurde ausgebaut
  • ein allgemeines Beratungsangebot für gehörlose Menschen ging in eigenen Räumlichkeiten an den Start

Gegenwart & Zukunft

Im Rahmen des Beratungsprozesses entwickelte der FC Schalke 04 zudem erste Eckpfeiler für Zukunftsthemen, künftige Handlungsstrategien und potenzielle Leuchtturmprojekte. Dazu gehören unter anderem der Ausbau der Stadionplätze für Menschen mit Rollstuhl und Rollator, Verbesserungen der Stadionbedingungen für Autist*innen und die Schulung von Mobilitätshelfer*innen in allen Stadionbereichen. Zudem geht Schalke heute gemeinsam mit fünf weiteren Vereinen und Verbänden im bundesweiten BBAG-Projekt „Leicht Kicken” beim Thema Leichte Sprache im Fußball als Vorbild voran.

Daniela Wurbs, im Namen von KickIn! u.a. verantwortlich für den Beratungsprozess auf Schalke, blickt sehr zufrieden zurück: „Der FC Schalke 04 hat die Belange von Menschen mit Behinderung deutlich stärker als zuvor im Verein verankert und große Fortschritte in mehreren Handlungsfeldern gemacht. Die Fakten sprechen da für sich. Wir freuen uns, diesen Weg ein Stück mit euch gegangen zu sein!“.

Sebastian Buntkirchen, Direktor Fans und Vereinsangelegenheiten sowie von Schalke hilft!, findet ebenfalls warme Worte: „Von der damaligen Zusammenarbeit profitiert sowohl der Verein als auch unsere eigene Stiftung Schalke hilft! bis heute, hervorzuheben ist hier sicherlich die Einführung des Knappenkommentar – ein Angebot, dass unseren Fans mit Sehbehinderung einen riesigen Mehrwert bietet. Daher gratulieren natürlich auch wir ganz herzlich zu diesem großen Meilenstein, dem fünjährigen Bestehen von KickIn!.“

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